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Ein Glas und eine lange Reise

 Diese Woche wurden am Küchentisch fleissig Handlettering gemacht und somit wurden auch Kreise als Umrandung gezogen. Das geht am besten mit Bechern oder Gläsern. Da brach ein Glas auseinander. Einfach so. Ohne speziellen Grund. Das spezielle ist jedoch: das Trinkglas hat mehr Zeit mit mir verbracht hat, als alle Personen in meinem bisherigen Leben. Das tönt doch irgendwie verrückt, nicht?

 

 

Die Lebensstationen meines Glases:

 

1985 zu Weihnachten in Michigan (USA) von meinen Bruder gekauft und seiner jüngeren Schwester nach Hause gesendet.

 

1991 Von Brienz nach Saas-Fee umgezogen.

 

1994 -2003 in der Stadt Zürich (drei Mal innerhalb der Stadt umgezogen)

 

2003 In Bern in einer Kiste verstaut worden.

 

2004 Ausgepackt und in einem Vorort von Zürich ein den Küchenschrank eingeräumt worden.

 

2007 Umzug in ein herrschaftliches Haus in einem Vorort von Bern und dort im Küchenschrank gelandet.

 

2009 Umzug in einen Vorort von Zürich.

 

2018 Umzug innerhalb des Vororts mit wenig(er) Gepäck. Aber das geliebte Glas ist wieder mit von der Partie….

 

Ich würde mich nicht als Minimalist bezeichnen. Ich würde dieser Lebenshaltung nicht gerecht, besitze ich immer noch zu viele Dinge und liebe die Abwechslung. Tendenziell versuche ich jedoch mit weniger zu Leben, als auch schon. Die Haltung dazu, hat sich in den letzten Jahren noch etwas geändert und verfeinert. Schon immer war ich der Meinung, dass ich mich lieber an Erinnerungen/Erlebnissen erfreue, als an Dingen. Andererseits freue ich mich besonders an speziellen und wunderbar gestalteten Dingen, die mir sehr lange sehr grosse Freude bereiten. Und das ist immer noch so.

 

 So besitze ich zum Beispiel ganz besondere Schnapsgläser, die ich vor 19 Jahren in Stockholm gekauft habe. Die Gläser sind qualitativ sehr hochwertig, zeitlos und farbig. Und ich freue mich immer noch daran.

 

 

Zurück zum Glas: Das Glas hatte für mich einen emotionalen Wert. Es war besonders und einzigartig, aber nicht übermässig schön. Und doch eben mit einer besonderen Geschichte. So ist es geblieben und wurde trotz Hang zu einem einfacheren Leben nicht aussortiert. Ich finde es schön, wenn wir Dingen mit einer positiven Geschichte einen Stellenwert geben und wertschätzen und nicht ständig alles neu kaufen.

 

 

Frage:

 

Wieviele Gläser braucht ein Mensch?

Ich besitze

 

vier Weingläser
fünf Trinkgläser
vier Schnapsgläser
und 7 Trinkbecher.


Wenn mehr als vier Menschen gleichzeitig Wein trinken möchten, wird improvisiert und bei den Nachbarn angeklopft. Anfangs hatte ich nur zwei Weingläser. Das war mir zu knapp und ich kam zu schnell in den „Notstand“.

 

 

Zurück zu meinem Glas:

 

2019 landet das Glas in der Recycling Station in der Dorfmitte und das Material wird hoffentlich wieder verwendet.

 

34 Jahre Lebensdauer für ein Glas ist doch recht beachtlich. Wenn man das in Lebensjahre eines Tieres rechnen würde, ist dieses Glas im Prinzip jetzt mindestens 100 Jahre alt geworden!