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Ich lebe im Ökodorf

Ich lebe im Ökodorf!

Bericht von Annette Lüthi
Bisher war ich immer etwa misstrauisch, wenn jemand erzählte, er wolle sich in einem Ökodorf unter Gleichgesinnten niederlassen. In mir weckte das dieses Gefühl von Intoleranz. So quasi: ich befasse mich einfach nicht mit dem Rest der Welt und lebe nur unter gleich Gesinnten und blende alles andere aus.  

 

Ich bin überrascht über die Eindrücke, die Gabi Bott (Dipl. Ing., Seminarleiterin, Tiefenökologie) an ihrem Vortrag bei Transiton-Bülach Ende August 2019 vermittelte. Und ich lerne daraus: Es lohnt sich doch immer wieder mit offenem Herzen neuen Ideen zuzuhören und gleichzeitig vor gefertigte Urteile in die Mülltüte zu stecken!

 

Ein paar Fakten:

Das Oekodorf Sieben Linden befindet sich im Norden von Deutschland, Sachsen-Anhalt. Zirka 100 Erwachsene Bewohner und knapp 50 Kinder. Es besteht eine professionelle Küche, wo man täglich seine Mahlzeiten essen kann. Es gibt ein Seminarzentrum für Besucher. Regelmässig, offene Sonntag für die Bewohner aus der Umgebung und verschiedene andere Möglichkeiten zur Gemeinschaft beizutragen.

 

Eindrücke aus dem Vortrag:

Spannende Veränderungen in Sachen Wohnformen: Zu den Anfängen waren die Wohneinheiten in eher grossen Wohngemeinschaften organisiert. Im Laufe der Zeit haben sich die Gemeinschaften massiv verkleinert, damit die Menschen sich besser zurückziehen und einen Ausgleich schaffen können. Man hat festgestellt, dass die grossen Wohnformen auf Dauer diese Rückzugsmöglichkeit zu wenig bieten.

 

Gabi betont, dass durch neue BewohnerInnen auch immer wieder neue Ideen in die Gemeinschaft reinkommen. Jeder darf sich immer wieder besinnen und sein Herz für die neuen Ideen öffnen und nachfragen und somit auch neugierig bleiben. Das Gespräch untereinander ist enorm wichtig.

 

Damit man jedoch nicht nur mit der idealen Organisation der Gemeinschaft beschäftigt ist, gibt es Räte (wie ein Vorstand), der für die verschiedenen Teilthemen des Dorfes jeweils für ein Jahr gewählt werden. Diese Räte entscheiden dann für die Gemeinschaft. Selbstverständlich auch nach Rücksprache und im Einklang mit den Bewohnern.

 

Durch den plötzlichen Tod eines Mitbewohners wurde das Thema Beerdigung tagesaktuell. Im Gespräch mit dem nahegelegenen Dorf fand man eine gute Lösung. Es gibt eine schöne Ecke auf dem bereits bestehenden Friedhofs des Dorfes. Beim ersten sehr herzlich und bunt gestalteten Begräbnis gab es sehr positive Rückmeldungen von den alteingesessenen Dorfbewohnern, die auch gerne von dieser anderen Art von Beerdigung profitieren möchten.

 

Die Bewohner von Sieben Linden engagieren sich in der lokalen Politik und nehmen Anteil und gestalten die Region somit mit. Dieser Austausch bietet eine gute Basis zu einer nachhaltigen, gemeinsamen Zukunft.

 

Pioniere: Ganz spannend fand ich auch den Aspekt, dass das Ökodorf verschiedene Pilotprojekte lancierte. Zum Beispiel im Bereich Strohballen Häuser in Kombination mit Lehm. Diese sind inzwischen sogar in der offiziellen Baunorm verankert. Diese Häuser sehen nicht nur toll aus, sondern sind auch sehr angenehm zum drin wohnen. Andere Projekte betreffend den ressourcenschonenden Umgang, wie zum Beispiel das Thema Abwasser. Durch die professionell geführte Gemeinschaftsküche können ebenfalls enorm Ressourcen geschont werden.

 

Ein Wehrmutstropfen ist die Lage des Dorfes. Es gibt lange Anfahrtswege zu den nächst grösseren Arbeitsorten und Schulen. Es gibt inzwischen auch einige Berufstätige, die ortsunabhängig arbeiten können (Webdesigner, Grafiker) oder für die Ökodorf Gemeinschaft arbeiten (Garten, Küche).

 

Fazit: Ich bin begeistert von den Einblicken und beeindruckt, wie Gabi offen bleibt. Voll nach dem Motto: Der Wandel ist das einzig konstante.

 

Was kannst du tun:
Wenn du dich für Sieben Linden interessiert: Du kannst dich für eine bestimmte Zeit als freiwillige MitarbeiterIn melden, an Seminaren teilnehmen, an einem offenen Sonntag teilnehmen oder dich als BewohnerIn bewerben. Alle aktuellen Fakten dazu findest du auf der Webseite.

 

http://siebenlinden.org/de/start/

 

https://www.transition-buelach.ch/

 

Al 13.9.19